Outsourcing von IT-Dienstleistungen: Ein Überblick
Der stark wachsende Wettbewerb im Rahmen der Globalisierung macht es notwendig, dass Unternehmen flexibler und optimierter arbeiten. In der heutigen Zeit reichen Produktinnovationen nicht mehr aus, um in einem Markt bestehen zu können. Unternehmen müssen versuchen, durch Prozessinnovationen wettbewerbsfähig zu bleiben. (Vgl. Kett, Skötsch, Weber (2005): S. 8) Hier greift die Idee des Outsourcings: Prozesse, die selber nicht effizient ausführbar sind, werden an Dienstleister ausgegliedert, die sich auf die Erbringung solcher Leistungen spezialisiert haben. Diese haben i.d.R. viele Kunden, denen sie die gleiche oder eine sehr ähnliche Leistung zur Verfügung stellen. Die entstehenden Synergieeffekte führen zu Kostenreduzierungen, die an die outsourcenden Unternehmen weitergegeben werden können.
Beim Outsourcing stellt sich die Frage, ob aus einem Prozess bzw. einer Leistung, die ein Unternehmen selber erbringt, ein Wettbewerbsvorteil entsteht bzw. entstehen kann. In diesem Kontext kann auch die Frage gestellt werden, ob der Prozess bzw. die Dienstleistung eine Kernaufgabe des Unternehmens ist. Ist dies nicht der Fall, bietet sich oftmals Outsourcing an, um dem Unternehmen eine Fokussierung auf seine Kerngeschäftsfelder zu ermöglichen.
Der Begriff
Outsourcing leitet sich vom englischen “Outside Resourcing” (Abts, Mülder (2004): S. 366) ab. Die Abkürzung Outsourcing ist heute sowohl im Englischen als auch im Deutschen gebräuchlich.
Der Begriff beschreibt die teilweise oder vollständige Auslagerung von IT-Leistungsbereichen an Dienstleister. Dabei steht die betriebswirtschaftliche Fragestellung des “make or buy” (selber machen oder günstiger extern einkaufen) im Mittelpunkt. (Vgl. Gabler Bank-Lexikon (2000): Stichwort “Outsourcing”)
Verwendung findet der Begriff seit Anfang der 80er Jahre, als US-Firmen wie General Motors und Eastman Kodak erstmals große Teile der EDV auslagerten. In den letzten zehn Jahren wird der Begriff des Outsourcings zunehmend öfter auch für die Auslagerung anderer Bereiche von Unternehmen verwendet. (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Outsourcing, Aufruf am 01.09.2007)
Formen des IT-Outsourcings
Outsourcing ist grundsätzlich etwas sehr Individuelles. Unternehmen, die sich dazu entscheiden, Teile ihrer IT auszulagern, brauchen im Regelfall maßgeschneiderte Lösungen, die zu ihnen und ihren Prozessen passen. Unabhängig davon haben sich in den letzten Jahren spezielle Formen des Outsourcings entwickelt, die aber in ihren Begrifflichkeiten und Ausprägungen in der Praxis erheblich variieren können:
Selektives Outsourcing
Bei dieser Form des Outsourcings werden einzelne Teile eines Geschäftsbereiches ausgelagert. Sie findet sich oftmals bei “hochgradig standardisierten Transaktionen mit geringer Branchenspezifik”. (Kett, Skötsch, Weber (2005): S. 9 ff.) Dies kann in der Praxis der Betrieb von Desktop Systemen, Netzwerk- / Infrastrukturmanagement und ähnlichen Aufgaben sein.
Business Process Outsourcing (BPO)
Es findet die Auslagerung eines Unternehmensprozesses an einen auf diese Prozessart spezialisierten Outsourcing-Partner statt. Dabei wird aber nicht eine ganze Abteilung ausgelagert, wie beim klassischen Outsourcing, sondern lediglich der jeweilige Prozess als Tätigkeit. Diese spezielle Form des Outsourcings bietet sich bei sehr speziellen Prozessen an, die von Spezialanbietern aufgrund von Kostendegressionseffekten viel kostengünstiger durchgeführt werden können. (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Business_Process_Outsourcing, Aufruf am 20.09.2007) (Vgl. Kett, Skötsch, Weber (2005): S. 8 ff.)
Business Application Outsourcing (Synonym: Application Service Providing [ASP])
Beim Business Application Outsourcing handelt es sich um das Vermieten von Anwendungssoftware. Über eine VPN-Anbindung (Virtual Private Network) über das Internet greift der Anwender auf die Software zu, die auf den Servern des Anbieters installiert ist. Dieser zeichnet verantwortlich für die Lizenzierung, Pflege und Support der Anwendungssoftware. Diese Form des Outsourcings ist speziell für den Mittelstand interessant, da sie vergleichsweise geringe Kosten verursacht. Für Großunternehmen ist diese Form des Outsourcings oftmals nicht ausreichend, da i.d.R. nur begrenzt Individualisierungen der Lösungen realisiert werden. (Vgl. Abts, Mülder (2004): S. 369 ff.)
Business Transformation Outsourcing (BTO)
Eine noch recht junge spezielle Form des Outsourcings stellt das BTO dar. Hierbei werden Prozesse langfristig an einen Outsourcing-Partner übergeben, der neben der Erbringung der Leistungen eine Neuorganisation des Prozesses durchführt. Im Vergleich zum klassischen Business Consulting übernimmt der Outsourcing-Partner auch die Verantwortung für die von ihm durchgeführten Veränderungen am Prozess, da er diesen selber betreiben muss. Diese Form des Outsourcings ist speziell für Unternehmen interessant, die ihre Ressourcen zur Entwicklung eigener neuer Geschäftsstrategien aufwenden wollen, aber dennoch bei den ausgelagerten Prozessen eine Optimierung wünschen. (Vgl. Kett, Skötsch, Weber (2005): S. 10 ff.)
Stufen des Shorings
Aufgrund der Globalisierung und der immer besser vernetzten Welt ist es heute möglich, Dienstleistungen an weit entfernten Orten in der Welt zu erbringen.
Man kann die verschiedenen Stufen des Shorings wie folgt einordnen: (Vgl. Kett, Skötsch, Weber (2005): S. 11)
Onshore: in den Räumen des Kunden
Nearshore: Kulturelle Nähe (Europa)
Offshore: Oftmals Niedriglohnländer (z.B. Indien)
Die verschiedenen Stufen bringen jeweils Vor- und Nachteile mit sich:
Onshore ist immer dann sinnvoll, wenn die Leistung vor Ort gebraucht wird (z.B. persönliche IT-Unterstützung am Arbeitsplatzrechner des Anwenders).
Nearshore bietet für den Outsourcing-Partner eine höhere Flexibilität und die Möglichkeit größerer Kosteneinsparungen (z.B. Auslagerung nach Ungarn) bei Sicherstellung von Faktoren wie einer gleichen Zeitzone.
Offshoring ist primär aus Kostengründen ein sinnvoller Schritt. Hierbei können aber Probleme wie Sprachbarrieren und stark unterschiedliche Zeitzonen auftreten.
Es ist daher jeweils abzuwägen, welche Anforderungen an die zu erbringenden Leistungen gestellt werden. Durch eine Mischung der verschiedenen Stufen des Shorings bei einem Leistungspool sind kostengünstige Leistungen und Leistungen mit einem hohen Qualitätslevel erreichbar, je nach Anforderungen des Kunden (z.B. Eingabearbeiten nach Indien verlagern [Kostenvorteil nutzen], Call-Center in Irland betreiben [Zeitzonennähe nutzen]).
Literatur
- Abts, D.; Mülder, W. (2004): Grundkurs Wirtschaftsinformatik. 5. Aufl., Wiesbaden.
- Kett, I.; Skötsch, W.; Weber, M (2005): Bitkom: Business Process Outsourcing, Berlin.
- Krumnow, J.; Gramlich, L.; Lange, T. (2000): Gabler Bank-Lexikon, Elektronische Ausgabe, Wiesbaden.
Internetadressenverzeichnis
- Wikipedia: Business Process Outsourcing, http://de.wikipedia.org/wiki/Business_Process_Outsourcing, Aufruf am 20.09.2007
- Wikipedia: Outsourcing, http://de.wikipedia.org/wiki/outsourcing, Aufruf am 01.09.2007