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Betreibermodelle betrieblicher Anwendungssysteme

Der stark wachsende Wettbewerb im Rahmen der Globalisierung macht es zunehmend notwendig, dass Unternehmen flexibler und kosteneffizienter arbeiten. Produktinnovationen reichen heute nicht mehr aus, um in einem solchen Markt bestehen zu können. Erst durch Prozessinnovationen haben Unternehmen die Chance, in einem Maße innovativ zu sein, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben (Utterback 1996, S. 91).

Die IT eines Unternehmens spielt dabei eine zentrale Rolle. Betriebliche Anwendungssysteme müssen die Anforderungen der Anwender erfüllen, flexibel skalierbar sein und möglichst wenige Unternehmensressourcen verbrauchen. In der Produktion ist es heute selbstverständlich, dass dem Kostendruck durch die Verringerung der Fertigungstiefe begegnet wird. Es ist daher naheliegend, vergleichbare Vorteile in der IT durch die Verringerung der Fertigungstiefe in Form der externen Leistungserstellung generieren zu wollen. Dabei stehen zwei Aspekte im Mittelpunkt der Überlegung: Die Verringerung der Kosten durch die Ausnutzung von Synergieeffekten seitens der externen Leistungsersteller und die Abgabe von Verantwortungen und damit einhergehend die Fokussierung auf die Kernaktivitäten.

In der praktischen Umsetzung bedeutet das die Abkehr vom Eigenbetrieb und die Nutzung von Application Service Providing (ASP)- und Software-as-a-Service (SaaS)-Angeboten. Diese Betreibermodelle können in eine Art evolutionären Zusammenhang gestellt werden. Bis in die 1990er Jahre stellt der Eigenbetrieb von betrieblichen Anwendungssystemen für viele Unternehmen eine Selbstverständlichkeit dar. Mit der Jahrtausendwende kam Application Service Providing auf, bei dem klassische betriebliche Anwendungssysteme extern betrieben werden. Heute, knapp zehn Jahre später, entsteht aus dem ASP die Idee des Software-as-a-Service in Form der Bereitstellung von Software als Dienstleistung.

Die Wahl der Art des Betriebs ist ein entscheidender Bestandteil für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Im Folgenden werden die Alternativen vorgestellt und bewertet. Als Dimensionen kommen die Verantwortung für das Betreiben sowie die eingesetzte Generation von betrieblichen Anwendungssystemen als Abgrenzung zum Einsatz. Die Betrachtung erfolgt dabei auf der Softwareebene; die Hardwareebene für das Betreiben betrieblicher Anwendungssysteme wird im Rahmen dieser Arbeit nicht betrachtet.

Eigenbetrieb von betrieblichen Anwendungssystemen

Der Eigenbetrieb ist die klassische Ausprägung der Betreibermodelle betrieblicher Anwendungssysteme. Hierbei werden die Anwendungen durch die IT-Abteilung des jeweiligen Unternehmens selber betrieben. Dazu müssen Lizenzen erworben, Anwendungen aufgesetzt und integriert sowie regelmäßig gewartet und angepasst werden. Damit verbunden sind Setupkosten für die Lizenzierung und die Installation sowie fixe Kosten für Wartungen und Wartungsverträge.

Für die Abgrenzung des Eigenbetriebs gegenüber ASP und SaaS ist der Aspekt der Verantwortung für die Anwendung und nicht der eigentliche physische Ort des Betriebs relevant. Daher können die Server, auf denen die betrieblichen Anwendungssysteme installiert sind, sowohl Inhouse als auch Extern (Outsourcing der Hardware-Ressourcen) betrieben werden. Entscheidend ist, dass beim Eigenbetrieb die Verantwortung für Lizenzierung, Installation und Wartung bei dem jeweiligen Unternehmen liegt. Um das leisten zu können, ist es notwendig im eigenen Unternehmen ausreichend Know-How vorzuhalten bzw. dieses teuer durch externe Berater einzukaufen.

Für zusätzliche Ressourcenanforderungen müssen beispielsweise erst Server bestellt, Lizenzen erworben und Software installiert werden, bevor diese Ressourcen produktiv zur Verfügung stehen. Insbesondere dieser Aspekt führt dazu, dass die Flexibilität und Skalierbarkeit beim Eigenbetrieb nicht derart ausgeprägt ist wie beim ASP und SaaS.

Application Service Providing (ASP)

Application Service Providing stellte zur Jahrtausendwende eine viel beachtete Innovation im Bereich der betrieblichen Anwendungssysteme dar. Unternehmen konnten Software erstmalig mieten und damit die Verantwortung für das Betreiben an den Application Service Provider abgeben. (Abts und Mülder 2004, S. 369).

Die zuvor vom Anwender betriebenen Anwendungssysteme wie beispielsweise ein SAP R/3 System werden beim ASP durch einen Dienstleister betrieben und über das Internet mit Hilfe einer VPN-Verbindung dem Anwender zur Verfügung gestellt. Setupkosten für Installation und Betrieb fallen nicht mehr an. Lediglich die in Anspruch genommenen Leistungen werden berechnet – und zwar dann, wenn sie benötigt werden.

Dennoch wurde ASP nicht zu dem erhofften Erfolg. Als Anwendungen wurden dieselben Systeme eingesetzt, die zuvor auch im Eigenbetrieb zum Einsatz kam. Diese Systeme sind als Client-Server-Architektur konzipiert und stellen hohe Anforderungen an die Anbindung. Die zur Jahrtausendwende oftmals noch sehr schwachen Anbindungen an das Internet gerade von mittelständischen Unternehmen erschwerten das Arbeiten stark (von Varchim 2008). Ein weiteres Problem sind bei ASP – genauso wie beim Eigenbetrieb – die auf den Rechnern der Anwender benötigten Clients. Diese müssen installiert und gewartet werden, was zu einem nicht zu unterschätzenden Wartungsaufwand im eigenen Unternehmen führen kann.

Auch der Grad der Anpassbarkeit der Anwendung an die Bedürfnisse des Unternehmens stellt ein Problem dar. Da sich der Betrieb aus Sicht der Anbieter von Application Service Providing nur lohnt, wenn möglichst standardisierte Anwendungen von vielen Unternehmen genutzt wird, fehlt es ASP Lösungen oftmals an der notwendigen Flexibilität zur Abdeckung der Anforderungen des jeweiligen Unternehmens (Gfaller 2007). Die Folge sind betriebliche Anwendungssysteme, die nur unzureichend zu den Geschäftsprozessen des Unternehmens passen.

Software-as-a-Service (SaaS)

Mit Software-as-a-Service etabliert sich rund zehn Jahre nach ASP ein neues Betreibermodell auf dem Markt. Die Idee ist hier analog zu ASP das Mieten von Software und damit die Weitergabe der Verantwortung. Allerdings differenziert sich SaaS in der Umsetzung stark von ASP. SaaS kann dabei als Bestandteil des Cloud-Konzeptes verstanden werden, das den Betrieb von Software, Plattformen und Hardware durch externen Leistungserbringer beschreibt (Weiss 2007).

Kamen beim ASP noch dieselben Anwendungssysteme wie beim klassischen Eigenbetrieb zum Einsatz, steht mit SaaS eine neue Anwendungsgeneration zur Verfügung. Die SaaS Anwendungen sind Webapplikationen, die sich moderner Technologien wie AJAX bedienen und im Webbrowser eine für den Anwender ergonomisch gut nutzbare Oberfläche bereitstellen (von Varchim 2008). Dadurch werden Clients, wie sie noch bei ASP zum Einsatz kommen, überflüssig; es reicht ein regulärer Webbrowser aus. Der Installations- und Pflegeaufwand sinkt drastisch bzw. ist nicht mehr existent (Braun 2009). Da es sich bei diesen Anwendungen oftmals um Neuentwicklungen handelt, sind aktuelle Konzepte wie Mandantenfähigkeit und eine leichte Anpassbarkeit durch den Anwender selbstverständlich.

Erfolgreiche Beispiele für SaaS sind die CRM-Lösung salesforce.com als Pionier im SaaS-Bereich, Google mit seinen Google Docs Anwendungen und Cisco mit der Videokonferenzlösung WebEx. Auch ERP-Branchenprimus SAP bietet mit SAP Business ByDesign eine SaaS Lösung an. Alle diese Anbieter versprechen eine maximale Flexibilität und Skalierbarkeit. Es fallen keine Setup- und Fixkosten an, sondern nur variable Kosten in Abhängigkeit der Anzahl der benötigten Ressourcen (z.B. Anzahl der Videokonferenzteilnehmer).

Diese Anwendungen finden vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen Verwendung (von Varchim 2008). Strehlitz (2009, S. 14) verweist darauf, dass umfassende Lösungen wie komplette ERP Suiten noch unreif seien. Hier ist ein wenig Geduld gefragt. Laut IBM (2007, S. 2) prognostiziert das renommierte Gartner Institut, dass bis 2011 bereits etwa 25% der neuen Business Software als SaaS angeboten werden wird.

Die Vorteile von Software-as-a-Service sind vielfältig: Ein hoher Grad an Flexibilität und Skalierbarkeit bei gleichzeitig nur nutzungsabhängigen Kosten, dazu Anwendungen, die in ihrer Funktionalität aktuellen Anforderungen entsprechen und miteinander einfach integrierbar sind.

Dennoch gibt es einen nicht zu unterschätzenden Faktor für einen möglichen Misserfolg: Die Erfüllung der Sicherheitsanforderungen der Unternehmen. Da geschäftskritische Daten beim SaaS-Anbieter gespeichert werden, stehen zwei Aspekte im Mittelpunkt. Einerseits die technische Umsetzung des notwendigen Sicherheitsniveaus z.B. durch den Einsatz geeigneter Verschlüsselungsverfahren und das Vertrauen in die Anbieter von SaaS-Angeboten. Nur bei ausreichender Beachtung dieser Aspekte kann es den SaaS-Anbietern gelingen, sich dauerhaft am Markt zu etablieren.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Wahl des passenden Betreibermodells für die IT eines Unternehmens ist immer ein Abwägen zwischen verschieden stark ausgeprägten geschäftsstrategischen Bedürfnissen. Dabei existieren Zielkonflikte wie Kosteneinsparungen vs. Individualisierbarkeit. Die vorgestellten Betreibermodelle bieten Unternehmen umfangreiche Chancen der Kostenoptimierung, Steigerung der Flexibilität und Skalierbarkeit, zugleich aber auch Risiken wie den Know-how-Abbau im eigenen Unternehmen und Bedenken bzgl. der Datensicherheit.

Software-as-a-Service beinhaltet die Chance, in den nächsten Jahren eine neue Generation von betrieblichen Anwendungssystemen hervorzubringen, die auch die Bedürfnisse von Großunternehmen zufriedenstellen. Der zunehmende Kostendruck – auch ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise und die gesunkene Investitionsbereitschaft – wird Unternehmen immer stärker Entscheidungen zugunsten von standardisierten Lösungen mit umfangreichen Möglichkeiten der Individualisierbarkeit treffen lassen. Software-as-a-Service hat hier das Potenzial mit entsprechenden Lösungen Marktanteile im großen Stil zu gewinnen.

Literatur

  • Abt D, Mülder W (2004) Grundkurs Wirtschaftsinformatik, 5. Aufl. Vieweg, Wiesbaden
  • Braun B (2009) Cloud Computing macht Software as a Service salonfähig. Computer Zeitung 2009(8): 16
  • Gfaller H (2007) Software as a Service ist derzeit nur ein ASP-Aufguss. Abruf am 2009-01-21
  • IBM (2007) Professionelle Unterstützung für Vermarktung, Management und Realisierung Ihrer Software as a Service-Lösung. Stuttgart
  • Strehlitz M (2009) Web-basierte Standardsoftware steht noch in den Startlöchern. Computer Zeitung 2009(7):14
  • Utterback JM (1996) Mastering the Dynamics of Innovation, 2. Aufl. Harvard Business Press, Boston
  • von Varchim S (2008) Warum Software-as-a-Service funktionieren wird. Abruf am 2009-01-30
  • Weiss A (2007) Computing in the Clouds. netWorker 11 2007(4): 16-25
09.05.2009 - Tags:  #IT  #Betreibermodelle 
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